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New
York Times July 13, 2009, Anthony Tommasini
Child-Friendly at the Manchester International Festival
MANCHESTER, England - Many arts festivals try hard to be engaging for young people. Over the weekend the Manchester International Festival went all out.
A free two-day event called "The Great Indoors" took over most the old Manchester Town Hall, an architecturally magnificent structure built mostly during the 1870s, a Gothic-looking place with three grand spiral staircases, marble and granite stonework, mosaics everywhere and an impressive 280-foot clock tower.
A host of international performers and arts groups invited children into specially set-up rooms to create things, make music and cut loose...
...In a conference room, the Swiss artist Martin Müller set up his kinetic sculptures for an interactive exhibit called
"Maschinenkunst." One device was a wiry tower with an enormous pair of metal hands that clapped in response to the hand-claps of kids. Another was an elaborate contraption that produced scratchy sounds from a real violin when the children pumped pedals...
Der Sonntag 22. März 2009,
Nikolaus Cybinski
Digitale Dressur
MARTIN MÜLLERS Maschinenkunst bei Würth in Arlesheim
Der Basler Martin Müller baut Maschinen, die kein Mensch braucht. Umso mehr beeindrucken tüftelnder Ideenreichtum und technische Raffinesse.
Kürzer treten in Krisenzeiten? Das Forum Würth in Arlesheim will in einem Punkt davon nichts wissen und zeigt parallel zur Ausstellung
"Sonderromantik" erstmals eine zweite: "Maschinenkunst in der
Lagerhalle". Auf der geräumigen Holzbühne dieser Halle hat der Basler Maschinenkünstler und Tüftler Martin Müller seine kinetischen Skulpturen aufgebaut, die so klangvolle Namen haben wie
"Aerofona" und " Pyrofona", aber auch ganz prosaisch
"Klatscher" und "Luftschlag" heissen.
Der 1964 in Basel geborene Müller ist ausgelernter Mechaniker, machte von 1994 bis `98 eine Shiatsu-Ausbildung und arbeitete danach sieben Jahre in eigener Praxis als Shiatsu-Therapeut. Anschliessend liess er sich zum Programmierer ausbilden und nimmt seit zwei Jahren Orgelunterricht an der Musikakademie Basel. Und für das Duo Stimmhorn hat er schon einige Instrumente gebaut.
In diesem Menschen kommt also einiges zusammen, und dieses Potpourri an Fähigkeiten brachte ihn auf die verrückte Idee, Maschinen zu konstruieren, die kein Mensch braucht.
Das haben vor Müller bereits zwei andere Eidgenossen, Jean Tinguely und Bernhard Luginbühl, getan, und Müller beginnt da, wo seine Vorgänger aufhören. Er spinnt deren konstruktive Fantasien weiter und verändert sie dabei zugleich grundlegend, denn Kernstück seiner kinetischen Skulpturen ist deren Programmierung am Computer. Die befähigt sie, Kunststücke von unglaublicher Präzision und Perfektion zu vollbringen.
"Pyrofora" zum Beispiel führt ein perfekt choreographiertes Ballett mit sechs Gas-Stichflammen aus, und
"Aerofona" bläst zu in präziser Abfolge erzeugten Klängen aus Orgelpfeifen einen gelben Ballon zur Grösse eines Hüftballs auf. Noch ein Beispiel:
"Geige", die Klangskulptur aus Metall, Kunststoffen, Holz, elektrischen und elektronischen Bauteilen, bringt nicht nur die leeren Seiten zum Tönen, sondern spielt auch Glissandi und rhythmische Verrückungen.
Das alles ist in seiner einfallsreich durchdachten und realisierten technischen Perfektion wirklich Staunen erregend. Doch eben diese Perfektion bewirkt zugleiche eine vage Desillusionierung, die die Frage aufkommen lässt, ob diese Maschinerien nicht überzüchtete Vehikel sind.
Gewiss ist es unfair, sie mit denen Tinguelys oder Luginbühls zu vergleichen, aber unbewusst oder bewusst tut man es eben doch, denn die beiden haben Massstäbe vorgegeben, an denen gemessen Müllers Skulpturen zwar verspielt-skurril, nicht aber erschreckend-grotesk erscheinen. Ihnen fehlen Tinguelys absurde Unlogik und Luginbühls zyklopenhafte Archaik. Am überzeugendsten wirkt Müller, wo er die technische Perfektion nicht auf die Spitze treibt, etwa im
"Klatscher" der auf Kontaktaufnahme die Hände laut klatschend zusammenschlägt, oder, gleich rechterhand neben dem Eingang, in dem kleinen Kasten mit den beiden Augen, die einen, kommt man in die Nähe, abwechselnd prüfend anblicken. Da wird etwas von Tinguelys abgründigem Spielwitz
sichtbar.
Neue Zürcher
Zeitung, 21. Februar 2009, vhz
Hightech-Romantik
Eine
perfekt funktionierende Maschine ist in der Regel auch vollkommen
schön. Hässlich - das beweisen Autos wie Staubsauger - ist immer
nur die Verpackung. Der Basler
«Maschinenkünstler»
Martin Müller konstruiert Maschinen, die perfekt funktionieren,
ergo schön sind, allerdings im Gegensatz zu gewöhnlichen Maschinen
keinem ökonomischen Zweck dienen, sondern dem Betrachter als
mechanische «Schau-Spieler»
gegenübertreten. Einige seiner schönsten Maschinen stehen derzeit
in einer Lagerhalle beim Kunstforum Würth im Industriequartier von
Arlesheim (BL). Ballen, Rollen, Kisten bilden die Kulisse
beispielsweise für die «Pyrofora»,
eine filigrane Konstruktion aus beweglichen Röhren, Ventilen,
Motoren und Steuerungselementen. Auf Knopfdruck entzündet sich an
der Spitze eines Rohrs eine Gasflamme. Das Rohr schwenkt nach links,
begegnet einem Nachbarrohr, übergibt diesem die Flamme, die dann an
ein nächstes weitergereicht wird. Das geht bald sinnlich, bald laut
und mit verwirrender Geschwindigkeit vor sich. Im Mittelpunkt der
Ausstellung steht ein mechanischer Geiger, der seinem Instrument
Rhythmen und grässlich falsche Melodiefetzen entlockt. Andere
Objekte operieren mit Orgelpfeifen, Becken, Klangblechen, und alle
sprechen nicht nur das Auge, sondern auch das Ohr an. Unser Favorit
ist eine «interaktive
Klangskulptur»
aus abenteuerlich gewundenen Stahlstäben und zierlichen Schalen,
denen federgeschmückte Hämmerchen melancholische Tonfolgen
entlocken. Im Zentrum des Ganzen gleisst das Herz der Maschine, ein
aufregendes Gewirr von Kabeln, Chips, Dioden und weiteren
Steuerelementen. Wäre man bloss Schlossbesitzer, man würde sich
diese blaue Blume der Hightech-Romantik sofort in die Halle stellen.
Basler Zeitung, 12. Februar 2009, Karen N. Gerig
Luft durch Orgelpfeifen
Martin Müllers Klangskulpturen im Forum Würth
Martin Müller baut interaktive Klangskulpturen. Im Forum Würth nehmen
die mechanischen Kunstwerke den Dialog mit dem Fabrikgebäude auf.
Die Ausstellung startet auf subtile Art. Eine weisse, 20 mal 30 Zentimeter grosse Holzplatte an der Wand könnte man fast übersehen. Ein Augenpaar ist darin ein gelassen, die Wimpern bis zum Rand gesenkt. Nähern sich die Schritte eines Besuchers, beginnen sie sich langsam zu heben, bis sie kugelrund in die Halle blicken, wo sich sechs weitere von Martin Müllers kinetischen Skulpturen
breitmachen.
Die Arbeiten des Basler Künstlers zeichnen sich ansonsten weniger durch leise Töne aus. Hier strömt Luft durch Orgelpfeifen und lässt sie erklingen, dort tanzt ein Bogen über die Saiten einer Geige, Sand rasselt in einer leeren Aludose oder ein Staubsaugergebläse pumpt lautstark Luft in einen knallgelben Luftballon. Gesteuert werden diese Apparate durch Sensoren, die auf Bewegung oder Druck reagieren. Müller selbst weigert sich, seine Werke einer einzigen Kunstrichtung zuzuordnen. Man könne ebenso von kinetischer Kunst reden wie von digitaler, könne die Maschinen demnach auch als audiovisuelle Apparate bezeichnen, womit man ins Feld der Medienkunst vorstösst. Falsch liegt er damit nicht. Im Gegensatz zu den Arbeiten eines Jean Tinguely etwa erhält das Element des Zufalls hier ein weitaus grösseres Gewicht, ebenso die Interaktion mit dem Menschen.
Müller programmiert seine Apparate mit unterschiedlichen Sequenzen, die jedoch in ihrem Ablauf keiner bestimmten Logik folgen. «Nicht einmal ich weiss, wie die Maschine reagiert, wenn ich den Startknopf drücke», erläutert der Künstler. Der gelernte Mechaniker tüftelt seit rund sieben Jahren an seinen Maschinen. Feuer, Dampf oder Luft treiben sie an, Geräusche, die von der Mechanik der Apparate hervorgerufen werden, gehören dabei ebenso zur fertigen «Melodie» wie die Töne, die der Geigenbogen dem Instrument entlockt.
«Die Begegnung zwischen Betrachter und Maschine ist es, die mich fasziniert», sagt der 45-Jährige. Ohne Interaktion bleibt das Werk wertlos. «Ich will jedoch keine Roboter schaffen, die menschliche Züge annehmen», sagt Müller. «Sondern es sollen Maschinen bleiben, die aber ein gewisses Eigenleben entwickeln dürfen.»
In der Lagerhalle des Forums Würth sind Müllers Apparate gut aufgehoben. Die Hintergrundgeräusche von Lagerarbeitern und ihren Maschinen fügen sich zum Dröhnen oder Wummern der Klangskulpturen, und die kleinen Metallteile der Kunstwerke erinnern an das, was hier am Ort produziert wird: Schrauben und anderes Montagematerial.
Basellandschaftliche
Zeitung, 10. Februar 2009
Interaktive Kunst
FORUM WÜRTH «Maschinenkunst in der Lagerhalle» ist eine spektakuläre
Ausstellung von kinetischen Skulpturen des Baslers Martin Müller.
Eine ungewöhnliche Ausstellung an einem ungewöhnlichen Ort: Auf der Holzbühne in der Lagerhalle der Würth AG in Arlesheim pfeifen, leuchten und klatschen die interaktiven Skulpturen von Martin Müller.
DIE ZWEITE Gastausstellung in der sechsjährigen Geschichte des Forum Würth Arlesheim will verführen und zum Spielen animieren. Die filigranen, in ihrem Innersten streng mathematischen Gebilde interagieren mit dem Betrachter. Ein Knopfdruck, eine Bewegung erweckt die Skulpturen zum Leben und lässt sie immer neue optische und akustische Effekte aufführen. Und auch wenn das Material
- Ballons, Spielzeugteile, Pfeifen, Pumpen, metallische Gelenke, Schrauben und Kästchen voller Drähte
- und die Mechanik offen einsehbar sind, bleiben die Objekte von Martin Müller in ihrer Ganzheit doch der Poesie des Geheimnisvollen verpflichtet.
Mit der spielerischen Ausstellung in der Lagerhalle wird das Forum Würth Arlesheim seinem Anspruch des «Mit- und Nebeneinander von geschäftlichem Alltag und Kultur» aufs Trefflichste gerecht.
Badische Zeitung, 9. Februar 2009, von Andrea Drescher
Zwinkernde Automaten
Sie warten nur darauf. Dass sich jemand nähert, in die Hände klatscht oder auf den roten Fußhebel tritt. Dann erwachen die optisch eher unscheinbaren Apparate zum Leben. Plötzlich fangen sie an zu flöten, zu pfeifen, zu geigen. Sie spucken Dampf oder Feuer, sie brummen und blinken
- oder zwinkern einem mit laszivem Blick aus blauen, grünen oder roten Augen zu. Und dabei lassen sie sich auch noch bei jeder Begegnung mit dem Menschen etwas Neues
einfallen.
Es scheint, als ob Martin Müllers Maschinenkunst lebendig wäre. Der gebürtige Basler, Jahrgang 1964, ist eigentlich Mechaniker mit eigener Werkstatt und eigener Firma. Er hat einen Faible für Elektronik und sagt von sich: "Ich tüftle gerne mit der Technik." Weil er häufiger Künstlern beim Aufbau von Installationen geholfen hat und zum Beispiel auch ungewöhnliche Musikinstrumente für die Schweizer Experimentalmusiker vom "Duo Stimmhorn" konstruiert hat, kam ihm vor ein paar Jahren die Idee, sich selbst künstlerisch zu betätigen. Der Freiheit wegen
- weil ihn weder Vorgaben noch Zeitdruck einschränken, wenn er sein eigener Auftraggeber ist.
Wenn Martin Müller aber versucht zu beschreiben, was er eigentlich macht, fällt selbst ihm die Einordnung seiner Werke nicht leicht. Macht er Maschinenkunst, wie man sie gerade in und um Basel von Jean Tinguely her kennt? Ist es nicht eher digitale Kunst, weil die mechanischen Gebilde nur dank ihrer Computersteuerung funktionieren? Oder sind es audiovisuelle Apparate, die beim interaktiv eingebundenen Betrachter alle Sinne anzusprechen vermögen?
Es sind jedenfalls keine Roboter mit menschlichen Zügen, sondern schlichte Maschinen, denen man ansieht, aus welchen Schrauben, Röhren, Pfeifen und Drähten sie entstanden sind. Und deshalb passen sie auch so gut in die Lagerhalle des Forum Würths in Arlesheim, wo Martin Müller gerade auf einem eigentlich für Mitarbeiterfeste eingezogenen Holzboden einige seiner Arbeiten ausstellt. Wenn von unten her ein Gabelstapler quietscht, weil er ein Paket Schrauben oder Beschläge aus dem Lager holt, dann stört das überhaupt nicht. Die Maschinen verstehen es bestens, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Je mehr Leute um sie herumlaufen, umso mehr legen sie sich ins
Zeug.
Und warum? Martin Müller geht es um die flüchtige Erscheinung in jenem Moment, in dem die Begegnung zwischen Mensch und Maschine stattfindet. Weil seine Apparate bis zu 44 Kunststückchen beherrschen und nach dem Zufallsgenerator-Prinzip arbeiten, weiß noch nicht einmal ihr Erbauer, was passiert, wenn er auf sie
zugeht.
Genau das macht den Reiz aus, sich immer wieder mit den Maschinen zu befassen. Bleibt es doch spannend, weil ständig Unerwartetes geschieht. Die eigenständige Geige beispielsweise soll neben fiedeln, knarren und knarzen sogar ein Vivaldi-Stück beherrschen. "Das hat nur noch niemand erkannt", sagt Programmierer Müller. Sein jüngstes und gleichzeitig größtes Werk ist "Pyrofax", ein kombinierter Feuerspeier und -schlucker mit sechs gasbetriebenen Fackeln. Noch hat diese Maschine ihre Macken. Die aber will Martin Müller im Laufe der Ausstellung bei Würth beheben, quasi vor den Augen der Besucher. Apropos Augen: nicht erschrecken, wenn beim Reinkommen zwei wimpernbestückte Exemplare aus der Wand heraus blinzeln.
Die Oberbadische
Zeitung, 7. Februar 2009, Gabriele Hauger
Es dampft, hupt und klatscht
Maschinenkunst des Baslers Martin Müller in der Lagerhalle Würth
Arlesheim. Eine Holzbühne hoch über der gut gefüllten Lagerhalle der Würth AG in Arlesheim: In diesem passenden Ambiente stehen die Maschinenkunst-Objekte des
Baslers Martin Müller. Sind es Maschinen? Skulpturen? Ist es kinetische Kunst? Medienkunst? Oder sind es audiovisuelle Apparate? Wohl von allem ein wenig, klärt
der Herr der Maschinen auf, eine Definition ist schlichtweg unmöglich. Vom eigenwilligen und originellen Eigenleben der Objekte waren die Verantwortlichen des
Forum Würth so begeistert, dass sie den ansonsten Firmenfesten vorbehaltenen Boden über dem Lager zusätzlich für eine Ausstellung reservierten.
Fast alle Maschinen sind computergesteuert. Und Müller - bekennender Tüftler aus Leidenschaft - lässt sie mächtig loslegen.
Da dampft, hupt, brennt und zischt es.
Tonfolgen werden gespielt, Ballons blasen sich auf. Stets findet hier eine interaktive Aktion statt, da der Betrachter durch Bewegung oder Laute die Maschinen in
Gang setzt. Ursprünglich Mechaniker, hat sich Müller intensiv mit Elektronik und Steuerungsmechanismen auseinandergesetzt, hat dabei auch Konstruktionen für das
bekannte Basler Duo Stimmhorn erarbeitet. Lange Erklärungen will er für seine Maschinen nicht.
Der Besucher soll einfach auf sie zugehen und sie auf sich wirken
lassen. Dass die aufwändigen Konstruktionen zuweilen ein Eigenleben entwickeln, gefällt ihm dabei besonders gut.
Der Klatscher knallt seine beiden Metallarme zusammen, wenn ein menschliches Gegenüber ebenfalls in die Hände klatscht.
Der Luftschlag reagiert mit Musik, Klingeln, Licht, ein Ballon mit
Schweizer Kreuz bläst sich auf - das alles aber nur dann, wenn die Maschine einen Bewegungsluftzug
verspürt. Die Geige setzt zum Spiel an, 44 Sequenzen hat sie drauf:
Sie spielt sogar Vivaldi, auch wenn das bisher noch keiner erkannt
hat, lächelt Müller.
Müllers fast figürliche Maschinen-Skulpturen aus Bögen, Schrauben, Schläuchen, Dosen und Drähten sind selbstbewusste Hauptdarsteller. Je länger man sich mit ihnen
auseinandersetzt, desto mehr scheinen sie uns mitteilen zu wollen.
Basler
Zeitung, 21. Juni 2007, David Wohnlich
Müllers gesteuerte Zufälle
Die Maschinen des Klangtüftlers Martin Müller in der Galerie
Eulenspiegel
Sorgfältig gestaltete Details statt zitternder Federchen
zeichnen Martin Müllers Klangskulpturen aus.
Das Geräusch einer Windturbine ertönt. Ein gelber Ballon wird zu beachtlicher Grösse aufgeblasen. Er ist die Lunge der Maschine; Sensoren drehen ihm die Luftzufuhr ab, sobald er gross genug ist. Dann beginnt die Musik. Oder war das staubsaugerähnliche Dröhnen der Windturbine auch schon Musik? Genau ist das nicht zu bestimmen - die Übergänge zwischen Geräuschen, Tönen und Klängen sind fliessend, die technische Funktion der Klangerzeugung und -steuerung wird selber zum musikalischen Element.
SCHÜCHTERN. «Dass man zum Beispiel hört, wie einzelne Ventile sich öffnen oder schliessen, ist Teil des musikalischen Konzepts», erläutert Martin Müller, der Schöpfer der Klangskulpturen, die zusammen mit Bildern von Marcel Petry in der Galerie Eulenspiegel ausgestellt sind. «Alle Ereignisse sind komponiert und entsprechend programmiert.» Tatsächlich spielt der Künstler geschickt mit den klanglichen Möglichkeiten, die sich ergeben, wenn den Orgelpfeifen nicht der volle Luftstrom zugeführt wird. Klagende, schüchterne Obertöne werden dann hörbar; einmal entsteht ein spannender Dialog zwischen fast militärisch zackigem Signal und unbestimmtem diffusem Wimmern.
In Müllers Klangskulpturen werden - anders als etwa in den Maschinen von Jean Tinguely - musikalische Sequenzen nicht der Logik der kinetischen Abläufe unterworfen, sondern sie werden nach kompositorischen Gesichtspunkten geplant und programmiert. «Natürlich gibt es auch Zufälle», erläutert Martin Müller, «so sind nicht alle Steuerzyklen gleich lang. Aber das ist so gewollt - es sind gesteuerte Zufälle.»
Martin Müller, der von Beruf eigentlich gelernter Mechaniker und Körpertherapeut ist, wendet sein erworbenes technisches Geschick seit einigen Jahren auf die verspielten und dennoch diszipliniert konzipierten Klangskulpturen an.
ANSPRUCHSVOLL. Die spezifische Ausbildung wird in den sorgfältig gestalteten Details und den scharfsinnig gelösten technischen Feinheiten deutlich. So sind zum Beispiel schon nur die von Müller selbst konstruierten Ventile kleine Kunstwerke aus hartverlöteten Metallteilen. Und für technisch Interessierte geben die Skulpturen einige spannende Rätsel auf, denn der Künstler bedient sich verschwenderisch aus dem Fundus der Druckluft-, Modellbau-, Transport- und Fördertechnik.
Bemerkenswert dabei ist, dass sich das ästhetische Resultat ausschliesslich von den klanglichen Funktionen ableitet. Müller verzichtet konsequent auf lediglich der bildenden Kunst geschuldete oder aus ihrem Katalog entliehene Zugaben; jedes sichtbare Teil ist an irgendeiner Stelle auch Teil innerhalb des klangproduzierenden Prozesses - und vom Betrachter entsprechend lesbar und zu deuten. Einige Ereignisse bleiben fast unsichtbar, da Müller standhaft der Versuchung widersteht, optisch attraktive kinetische Verstärkungen anzubringen, wie man sie bei vergleichbaren Klangskulpturen gelegentlich verärgert zur Kenntnis nimmt. Wer sich flatternde Fahnen oder zitternde Federchen wünscht, wird von der kühlen Funktionalität der Maschinen zunächst im Stich gelassen - um, bei entsprechender Aufmerksamkeit, mit musikalisch anspruchsvollem Programm entschädigt zu werden.
Le
Quotidien Jurassien, 20 Septembre 2008, Yves-André Donzé
ART - Découvrir les sculptures cinétiques et interactives
d’un authentique artiste bâlois à l’ARTsenal à Delémont
Les étranges machines
de Martin Müller,
un bidouilleur bien dans son temps
Deux cents personnes ont déjà pénétré dans l’univers de
Martin Müller à l’ARTsenal à Delémont. Avec des shebam pow
blop wizz Gainsbourg y reconnaîtrait les siens mais ici les
machines sonores de l’artiste bâlois font de l’art aussi sûrement
que les omp! humpf! ou les pfff! du maître chanteur des onomatopées.
Comme Gainsbourg, elle font également de la musique, mais elle est
aléatoire. Elle vient ou ne vient pas.
Pour la beauté des circuits
Pénétrez à votre tour à l’ARTsenal. Contemplez ces vapeurs,
ces épanchements drolatiques parfois muets, ces puces que personne
ne gratte, juste pour la beauté des circuits; et ce violon que
frotte un archet mû par un bras métallique. Ecoutez aussi les gros
soupirs ballonnés et les accords plaqués sur un orgue rudimentaire
et infernal. Retournez-vous, un mur vous regarde avec deux petits
yeux hypnotiques.
Mettre les sens en éveil
Alors vous vous dites qu’il faut tout reprendre. Que ces machines
ne sont peut-être pas si loin de celles de Tinguely ce précurseur
ironique de la sculpture cinétique. Que, en final, tout ce fatras
de fils, de tuyaux, de soupapes, de spots, n’est là que pour
mettre vos sens en éveil. Par le mouvement. D’où le mot cinétique.
Votre première impression sera celle d’entrer dans un bloc opératoire.
Une lumière froide arrachée aux chromes des engins diffuse un
sentiment de complexité presque organique. A cause des borborygmes
intestinaux. En salle d’op’ - entendre salle d’op’art -
l’illusion règne en maître. Vous êtes averti: «son-lumière-vapeur».
Une Mer de brouillard, c’est le nom d’une de ces machines
interactives, brouille les pistes. Elle s’épuise à fabriquer de
la brume en initiant quelque rythme, puis des sons de clapet, puis
une respiration asthmatique.
Offrande à la complexité
Plus loin, une autre machine brandit sa ramure telle une plante létale.
Un bulbe en pied monté sur une jante de bagnole décline les
couleurs fondamentales tandis qu’une roue dentée joue les crécelles,
manière de chasser l’esprit démoniaque de ces diables de
circuits électroniques contenus dans un dégueuloir circulaire
couleur chirurgie. Au bout des branches en arabesques, des bols
surmontés de plumes semblent présenter une offrande à la divinité
de la complexité. C’est la machine la plus poétique de
l’exposition. Plus loin, la complexité poursuit son déploiement
à coups de battements d’air (Luftchlag), de grelots, de klaxons,
de sonneries d’horloge dans la verticalité d’un néon bleu qui
tarde à s’allumer. Il faut se rabattre sur cette autre sphère
qui flashe ses couleurs de plus en plus rapidement sur le son tout
aussi vertical d’un tuyau ou celui horizontal d’une cymbale, qui
ne vient pas.
Une poétique de la
complexité et de la perception
Faut-il chercher une musicalité, un ordre quelconque à tout cela?
Une fanfaronnade d’orgue de Barbarie tente bien d’attirer
l’attention sur les mécanismes de l’engin nommé Aerophone. Une
grosse baudruche se gonfle, l’air passe dans un tuyau d’orgue de
basse, en bois, d’autres cylindriques, lancent la fondamentale du
système tonal, puis la tierce, la quinte, la septième jusqu’à
un amas de sons contigus sur l’échelle de l’acuité. La machine
n’offre pas l’effroi de quelqu’un qui se serait perdu dans le
meuble de l’ordre pendant une exécution... musicale. On ne fait
que se retrouver dans le monde de la ronde plénitude de la sphère
soulignée par la stridente circularité d’un cercle à hélice.
La partition d’un violon solo qui joue sans musique et sans
musicien sera le programme informatique affiché qui permet le
mouvement et la fréquence de ce robot absurde. L’esquisse de
l’installation évoque alors la visée plastique et artistique de
l’objet.
Il respire la découverte
Mais alors pourquoi cette débauche de connaissances, pour initier
le mouvement, le son, la lumière, si ce n’est que dans le but
d’en avoir une perception globale apparemment sans fondement? La
biographie de Martin Müller nous rappelle qu’à 44 ans
l’artiste bâlois respire la découverte, l’émerveillement. Le
bidouillage électroinformatique s’insère pleinement dans son
temps. On apprend qu’il a participé à l’organisation et à la
réalisation technique d’Expo.02, et aux 100 ans du Palais fédéral.
C’est un concepteur qui a collaboré à divers projets
audiovisuels et artistiques. Cela fait seulement sept ans qu’il a
commencé à concrétiser ses idées telles qu’on les voit
actuellement sous forme de ferraille, d’acier profilé, de billes
de verre, de pièces détachées d’électronique. Serrurier, il a
fondé en 1984 un atelier de mécanique artistique. Mais il est
aussi thérapeute. Il pratique le shiatsu dans son propre cabinet.
Le silence et l’attente
Il faudra donc pister le sens de son travail dans son intérêt pour
la mécanique humaine: une globalité tellement complexe qu’il
faut l’approcher dans ses infimes perceptions, les perceptions
insensibles. Qui nous dira par où passe une impulsion électrique
dans un réseau, dans un circuit intégré? Et ce qui frappe dans le
travail de cet authentique artiste cinétique, ce n’est pas tant
l’effroi tel qu’il est provoqué par les sculptures sonores
d’un Takis (la peur de l’électricité ou des manifestations électromagnétiques),
mais l’interrogation première provoquée par le silence du
bruissement. Toute l’exposition est marqué par l’attente de tel
bruit particulier, de telle lumière aléatoire. Et si les
installations sont dites interactives, c’est que le spectateur se
trouve dans la posture de l’affût de quelque chose qui lui échappe
totalement. Comme une mise en circulation sur la toile.
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